Antisemiten
Die unterschätzte Gefahr von Rechts
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Was ist Antisemitismus?

Diese Frage beantwortet der Wikipedia-Artikel Antisemitismus so umfassend, dass ich nichts hinzuzufügen habe.
Ich möchte nur besonders darauf hinweisen, dass in diesem Artikel vier Hauptformen des Antisemitismus aufgezählt werden, die in der aktuellen Debatte (September 2026) nach der Wahl in Berlin nach populistischer Manier munter in einen Topf geworfen und umgerührt werden. Es ist halt sehr bequem, jemandem generelle Judenfeindlichkeit und Rassismus zu unterstellen, der eigentlich einzig und allein die israelische Siedlungspolitik kritisiert – besonders wenn man vom Antisemitismus in den eigenen Reihen ablenken will.
Um diese Debatte geht es hier jedoch nicht. In diesem Blog möchte ich an ein Ereignis erinnern, das deutlich gemacht hat, wie weit der Antisemitismus unter den Rechten und Rechtsradikalen verbreitet ist.

Die Groß-Demo "Widerstand Ost / West" wird organisiert

Ende 2014 wurde der Verein PEGIDA (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) gegründet, er veranstaltete in den folgenden Monaten viele Demonstrationen in ganz Deutschland.
Unter den Organisatoren entstand bald Streit um Richtungen, Wichtigkeit und Führungsansprüche. Dabei wurde eine junge Frau namens Ester Seitz ziemlich deutlich kalt gestellt. Vermutlich um ihr Ansehen zu retten, organisierte sie die Demo "Widerstand Ost/West" in Frankfurt am Main, die als Groß-Demo angekündigt und kommuniziert wurde.
Erklärtes Ziel war es, angesichts der regelmäßig höheren Anzahl von Gegendemonstranten und ihrer erfolgreichen Blockaden "die Straßen Frankfurts von den Linken zurück zu erobern".
Die Demo versprach wirklich, ein ganz großes Ding zu werden. Zahlreiche rechte und rechtsradikale Gruppierungen aus ganz Deutschland hatten sich bereits angemeldet, man sprach von vierstelligen Teilnehmerzahlen.
Doch dann sprach es sich herum, dass bei PEGIDA israelische Flaggen ge- schwenkt werden (siehe Foto oben). Auf Facebook und anderen Social Media wurde erbittert diskutiert, ob man "unter jüdischer Fahne" laufen oder einfach absagen sollte. Unglaublich viele ent- schieden sich für die zweite Option und zogen ihre Anmeldung wieder zurück.

Wie die Groß-Demo "Widerstand Ost / West" floppte

Am 20. Juni 2015 sollte das große Ereignis stattfinden. Mir war es gelungen, ein Hotelzimmer zu buchen, das mir erlaubte, das ganze Geschehen zu überblicken und zu filmen.
Was ich von dort oben sah, muss für die Veranstalterin extrem deprimierend gewesen sein. Es erschienen weniger als 200 Teilnehmer*innen. Eine bedauerns- werte Spendensammlerin lief ziemlich verloren mit einer viel zu großen Sammeldose auf dem fast leeren Platz umher, einem kurzen Regenschauer tapfer trotzend.
Nach den üblichen Reden startete der "Be- freiungsmarsch", aber er kam nicht weit. Quer über die geplante Route durch die Innenstadt verlief eine Absperrung, und diese weg zu räumen wäre ange- sichts der Menschen- masse dahinter ziemlich sinnlos gewesen.
Nach einigen Diskussi- onen mit der Veranstal- terin entschied sich die Polizei, die Demon- stranten lediglich mal kurz um den Block zu führen, so wie man Hunde Gassi gehen lässt. Damit war die Groß-Demo beendet.

Alarmierendes Fazit:

Gehen wir mal von nur 1.000 angemeldeten Personen aus, von denen aus antisemitischen Gründen nur 200 erschienen, dann bedeutet das: 80 Prozent der Rechtsradikalen sind Antisemiten!
Sollte jedoch etwas an den Gerüchten dran sein, dass sich etwa 5.000 Personen angemeldet hatten, dann beträgt der Anteil der Antisemiten sogar 96 Prozent.