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Der große Umzug
Nun bin ich schon 18 Monate in Rauma und habe voraussichtlich noch 18 Monate
vor mir: Halbzeit! Soll ich da noch alle meine Sachen nach Rauma bringen
oder doch in Hannover lassen? Es kommt aber doch immer wieder mal vor, dass
ich etwas brauche, was in Hannover liegt, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind.
Aber auch diverse große Sachen lagen noch dort: Zelt, Schlafsack und Rucksack
zum Beispiel. Also begann ich einen großen Transport zu planen.
Am frühen Nachmittag geht die Reise los. Zuerst mal nach Helsinki, wo ich Lin vom Flughafen abhole. Sie will die Reise mitmachen. Unterwegs schaue ich noch in mehrere Supermärkte, weil ich die gewünschte Sorte Knäckebrot in Rauma nicht gefunden habe. Schließlich habe ich Glück und kaufe fünf große Pakete. Mit Lin zusammen fahre ich dann erst mal nach Lahti. Dort wohnen alte Freunde von mir, bei denen wir übernachten. Sonntag 23.12. Lahti liegt nicht allzu weit von Kotka entfernt, deshalb können wir ohne Stress frühstücken und nach Kotka fahren. Unterwegs zeige ich Lin noch kurz den Bauernhof in Myrskylä, wo ich 1976 zwei Monate gearbeitet hatte. Dank meinem Navigator ist auch die Straße oder besser gesagt der Feldweg leicht zu finden, wo ich meine Ladung mitnehmen soll. Eine ältere Frau hilft beim Laden. Dann fahren wir nach Helsinki und nehmen die Sachen für meine Bekannte mit, darunter noch weitere Pakete Knäckebrot! Wir erreichen die Fähre mit viel Zeit und müssen nun erst mal warten. Gut, dass der Transporter eine Standheizung hat. Die Temperaturen sind nur knapp über Null. Der weitere Verlauf klappt problemlos, das Schiff ist auch halb leer, und bald sind wir in unserer Kabine. Dann machen wir uns über das große Buffet her. Lin freut sich, Unmengen von Garnelen essen zu können. Montag 24.12. Unsere Bäuche sind noch voll vom Vorabend, deshalb gibt es zum Frühstück nur einen Kaffee. Dann fahren wir durch Stockholm Richtung Süden. Eine altbekannte Strecke für mich, die ich aber schon lange nicht mehr gefahren bin. Die Fahrt ist absolut stressfrei: kaum Autos unterwegs und weder Schnee noch Eis. Irgendwo unterwegs essen wir etwas. Erst in Südschweden wird es etwas aufregend: an einer Automatentankstelle werden meine Kreditkarten nicht akzeptiert, und wir müssen weiterfahren, während die Tankanzeige schon längst Leere signalisiert. Doch dann kommen wir zu einer größeren Tankstelle, wo noch ein Mensch an der Kasse sitzt, dort kann ich volltanken. Auch die weitere Reise steht unter dem Zeichen von Heiligabend: leere Straßen, minimale Wartezeiten und fast leere Schiffe zwischen Helsingborg (Schweden) und Helsingør (Dänemark) sowie zwischen Rødby und Puttgarden. Dann fahren wir nach Kiel. Dort wohnt ein Freund von mir, der Augenarzt ist. Er ist aber jetzt in der Wedemark bei seinen Eltern und hat den Wohnungsschlüssel für uns in der Augenklinik im Giftschrank hinterlegt. Eine sehr nette Krankenschwester bringt uns den Schlüssel, dann fahren wir zu der Wohnung und machen es uns gemütlich. Dienstag 25.12. Am nächsten Morgen lasse ich zum Dank eine Flasche Mesimarja-Likör zurück, die ich auf der Fähre nach Stockholm gekauft habe. Mesimarja ist eine sehr leckere Beere, die fast nur in Nordfinnland wächst. Wir fahren nun zu einem kleinen Ort in der Nähe von Kiel und laden die Sachen aus Kotka aus. Dann bringe ich Lin nach Aabenraa in Süddänemark, von wo sie mit dem Bus nach Hause fährt, weil sie nach Weihnachten arbeiten muss. Ich fahre nach Hannover bzw. zu meiner Wohnung in Laatzen und bespreche mich mit meinen Mietern. Ich erkläre, was ich morgen alles mitnehmen möchte und was sie dann noch vom Sperrmüll abholen lassen können. Zwischendurch kommt der Vater meiner Bekannten und holt deren Sachen und das Knäckebrot für seine Frau ab. Auch dafür bekomme ich eine Finanzspritze für meine Reisekasse. Später am Abend fahre ich dann zu meinem Bruder, wo ich übernachte. Mittwoch 26.12. Mein Bruder kommt mit und hift mir tatkräftig, einen Schrank und etliche Umzugskartons aus meinem kleinen Hobbyraum in den Transporter zu bringen. Er hat mir auch 10 Umzugskartons besorgt, in die wir lose Sachen einpacken. Zwischendurch kommt noch eine Frau und holt einen alten Kleiderschrank ab, den ich über Ebay versteigert hatte. Schließlich ist das kleine Zimmer ausgeräumt. Mein Bruder fährt nach Hause, während ich noch den Keller ausräume. Bis zum Abend ist auch das geschafft. Der Transporter ist so voll, dass kaum noch etwas hinein passt. Vor allem mein Fahrrad und mein Fahrradanhänger sind sehr sperrig. Allerdings habe ich auch einige Kisten und Müllsäcke mit Dingen, die ich nicht mehr brauche: alte Kleider, Geschirr und Küchenutensilien, die ich mir in Rauma längst neu gekauft habe. Ich fahre wieder zu meinem Bruder, wo wir zusammen mit seinen Nachbarn noch einen netten Abend verbringen. Donnerstag 27.12. Endlich sind die Geschäfte wieder offen. Ich fahre ins Zentrum, wo ich mir diverse Teile für einen neuen Computer kaufe. Mein alter hat nun schon ein paar Jahre auf dem Buckel, und ich erwarte von der aktuellen Technik eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Außerdem kaufe ich im Baumarkt noch Holz. Es kommt mir zwar ziemlich schwachsinnig vor, ausgerechnet nach Finnland Holz zu importieren, aber gewisse Platten und Bretter bekommt man nicht im Baumarkt, und der große Holzhandel ist samstags geschlossen. Anschließend fahre ich zu meiner Bekannten, die meine Unterhaltungselektronik aufbewahrt, und lasse mir mein Radio und andere Sachen geben. Nur der große Fernseher bleibt dort. Dann berichte ich von meinem Müllproblem. Die alte Kleidung habe ich inzwischen in einen Sammelcontainer geworfen, aber wohin mit den Kartons voller Küchenutensilien? Die Entsogungshöfe öffnen erst im Januar wieder. Kein Problem, sagt meine Bekannte, ich kann alles bei ihr lassen. Sie kennt eine Hartz IV-Empfängerin, die alles sammelt und auf dem Flohmarkt verkauft. So werde ich das ganze Zeug los. Dann geht die Fahrt weiter nach Dänemark. Unterwegs stoppe ich noch an einem Supermarkt und kaufe 12 Dosen Hühnersuppe, die gibt es in Finnland nämlich nicht - eine der wenigen Sachen, die ich in Finnland vermisse. Am späten Abend komme ich in Viborg an und quartiere mich bei Lin ein. Einige Umzugskartons mit Sachen, die ich ganz bestimmt nicht in Rauma brauche, lasse ich hier, damit meine Wohnung in Rauma nicht aus den Nähten platzt. Freitag 28.12. Heute haben wir wenig zu fahren. Die Fähren verkehren so spät, dass man anschließend nicht mehr Stockholm rechtzeitig erreichen kann, um weiter nach Finnland fahren zu können. Also frühstücken wir, kaufen ein bisschen ein und fahren nach Frederikshaven, wo wir zu Abend essen. Dann nahmen wir die Nachtfähre nach Göteborg. Die Überfahrt dauert wenige Stunden. Gegen Mitternacht erreichen wir das gebuchte Hotel und beziehen unser gemütliches Zimmer.
Wir genießen ein reichliches Frühstück und fahren nach Stockholm. Zwischendurch machen wir eine Kaffeepause in der Raststätte neben der Ruine "Brahehus", die hoch über dem Ufer des Vätternsees liegt. In Stockholm verwirrt mich der Name des Schiffes, das dort im Hafen liegt. Es ist nicht das Schiff, mit dem wir fahren wollen. Aber es gibt kein anderes, und die Leute, die wir fragen, sind sicher, dass wir richtig sind. Schießlich legt das Schiff ohne uns ab, und kurz darauf kommt das richtige Schiff an. Wir fahren an Bord beziehen unsere Kabine und genießen wieder das große Buffet. Sonntag 30.12. Dieses Schiff fährt nur bis Turku, die Strecke ist viel kürzer als bis Helsinki, und das heißt früh aufstehen. In der gewohnten Dunkelheit fahren wir los Richtung Rauma, das von Turku aus schnell erreicht ist. Lin schläft erst mal ein bisschen weiter, während ich Platz schaffe für all die Sachen. Dann laden wir den Transporter aus. Einiges kommt in den winzigen Kellerraum, alles andere in die Wohnung. Hier bauen wir erst mal den Schrank auf und stapeln die Kartons, wo immer Platz ist. Am Abend sind wir bei meiner chinesischen Kollegin eingeladen. Montag 31.12. Ich bringe Lin zum Bus, der sie zum Flughafen bringt. Sie muss schon heute fliegen, weil für den 1.1. alles ausgebucht war. Dann fahre ich zu einem Baumarkt, kaufe noch ein paar Bretter und bringe den Transporter zurück zum Hotel. In den nächsten Tagen baue ich meinen neuen Computer zusammen und konstruiere aus den mitgebrachten Brettern und weiteren kleineren Platten, die ich mit meinem Fahrradanhänger heranschaffe, eine Plattform über mein Bett, wo ich viele Kartons unterbringen kann. Und dann baue ich noch eine lange schmale Plattform über meinen Computertisch für meine Stereoanlage. Schließlich ist auch diese angeschlossen und mit meinem Computer verbunden, damit ich Musik aufnehmen und auch alte Aufnahmen auf meinen Computer überspielen kann. Außerdem kann ich mit einem einzigen Drehknopf auswählen, ob ich Musik aus dem Radio, von meinem Computer oder anderen Geräten hören möchte, und ob mein Computer eine Fernsehsendung vom SAT-Empfänger oder den DVD-Player anzeigen soll. Als dies alles endlich perfekt funktioniert, überkommt mich plötzlich das Gefühl "ich bin endlich zu Hause!" Das bisher Improvisierte und auf das nötigste Beschränkte ist einem gewissen Luxus gewichen. Allein dieses Gefühl war schon die Reise wert, die 3400 km lang war und knapp 2000 Euro gekostet hatte (die Einnahmen nicht gegengerechnet). Übringens fängt es pünktlich am 1.1. an zu schneien, nachdem die ganze Reise angenehm schneefrei gewesen war - ich hätte sie sogar mit Sommerreifen machen können... |