Replicas sind Nachbauten historischer Schiffe

Jede Person, sich die körperlich fit genug fühlt, keine Angst vor großen Höhen hat und außerdem sich auf englisch verständigen kann, kann Besatzungsmitglied auf einer Replica werden. Ohne Vorkenntnisse, denn was man zu tun hat, lernt man an Bord. Vor allem: Taue ziehen.

Die Schiffe sind zwar nach traditionellen Vorbildern aus Holz gebaut, lassen unter Deck jedoch keine Annehmlichkeiten wie Steckdosen, Duschen und Toiletten vermissen. Sie haben auch Maschinen, die das Schiff bei Flaute oder ungünstigen Winden voran traiben.

Auf allen Schiffen wird man einer der drei Wachmannschaften zugeteilt. Jede von ihnen hat feste Arbeitszeiten: von 0 bis 4 Uhr, von 4 bis 8 Uhr, von 8 bis 12 Uhr und ebenso entsprechend am Nachmittag. Somit hat jede Wache täglich zweimal 8 Stunden Freizeit, in die jedoch weitere Arbeit fällt.

Während der 4 Stunden Arbeitszeit zieht man Taue, das heißt, man setzt, refft oder justiert die Segel, außerdem wechseln sich vorher bestimmte Leute am Steuerrad ab. Allerdings gibt es auch in einem Teil der übrigen Zeit Arbeiten zu erledigen: beim Zubereiten der Mahlzeiten helfen und sauber machen: das Deck, den Fußboden unter Deck, die Duschen und die Toiletten. Beim Ab- und Anlegen im Hafen gibt es auch so viel zu tun, dass alle Leute mithelfen müssen.

Als einfaches Besatzungsmitglied (je nach Schiff auch Deckhand oder Kadett genannt) bekommt man keinen Lohn, sondern man muss Geld bezahlen, um arbeiten zu dürfen. Der Lohn besteht im Erlebnis, so zu segeln wie in vergangenen Jahrhunderten, in Freundschaften und im Erfolgserlebnis gelungener Teamarbeit.

Ich habe mit jeder dieser drei Replicas mehrere Reisen unternommen:

Götheborg

Videos:

Meine erste Fahrt Juli 2012 Göteborg – Den Helder
Meine zweite Fahrt Juni 2015 Göteborg – Oslo – Grebbestad
Meine dritte Fahrt Juli 2022 Kopenhagen – Oslo
Dieses schwedische Schiff war einmal das größte in Betrieb befindliche Holzschiff der Welt. Alles war möglichst originalgetreu: Alle Segel sind aus Naturfasern hergestellt und in reiner Handarbeit genäht, fast alle Taue sind aus Hanf per Hand gedreht und mit Holzteer imprägniert. Der Holzteer gibt dem Schiff seinen typischen Geruch, und beim Arbeiten bekommt man schwarze Hände. Die Kanonen können leider nur elektrisch gezündet werden.
Wegen der Größe waren auch Mannschaften von mehr als 20 Personen erforderlich, denen es nur mit größter Anstrengung gelang, das schwere Großsegel zu reffen. Jede Mannschaft hatte einen Schlafraum mit Kojen für die sechs ältesten Mitglieder, alle anderen mussten in Hängematten schlafen.
Die Größe des Schiffs machte den Betrieb extrem teuer. Die Preise für Besatzungsmitglieder lagen bei etwa 1000 Euro pro Woche, zusätzlich wurden Sponsoren benötigt. Im Jahr 2022 sollte die Jungfernfahrt nach China endlich wiederholt werden. Das Schiff kam leider nur bis Malta und musste umkehren, weil zu große Schäden durch Holzfäule festgestellt wurden.
In früheren Zeiten hatte man Schiffe nach 10 oder 12 Jahren einfach außer Dienst gestellt. Heutzutage ist der Bau eines Schiffes jedoch viel zu teuer für eine so kurze Lebenszeit, während aber eine komplette Sanierung unbezahlbar wäre. Die Götheborg kann man in Zukunft nur noch als Museumsschiff bewundern.
Mein Fazit: sehr störend fand ich die Geräusche des Stromgenerators und die Belüftung der Küche, die ohne Unterbrechung zu hören waren. So etwas kann ich nicht wirklich "segeln" nenne. Einmalig positiv war das wind- und regengeschützte Steuerrad und überhaupt das Klettern in einer so riesigen Takelage.

Shtandart

Dies ist eine (äußerlich) exakte Kopie des gleichnamigen Kriegsschiffes von Zar Peter dem Großen. Der Kapitän baute es selbst mit Hilfe vieler Freiwilliger. Segel und Taue sind aus Kunststoff, das macht den Unterhalt des Schiffs erheblich günstiger.

La Grace

Dieser Zweimaster wurde ebenfalls von seinem Kapitän erbaut.