Das Banana-Boot

Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich sah ein Bild davon in einer Zeitschrift und wusste: das ist das, was ich schon immer haben wollte! Nämlich ein Boot, das keinen Liegeplatz braucht, keinen Trailer und keine Slipanlage, nicht so empfindlich und besser zu segeln ist als ein Klepper-Faltboot und trotzdem leicht zu transportieren.

Ich fuhr nach Hamburg zu dem Hersteller (der Erfinder produziert es selbst in einer kleinen Werkstatt), machte eine kleine Probefahrt und bestellte es. Ich habe es bis heute nicht bereut. Das Boot ist in Weiß oder in Grün erhältlich und kostet je nach Ausstattung ca. 1.250,- € als reines Ruderboot und ca. 1.735,- € komplett mit Segelzubehör.

Aufbau der Knickstellen

Das Geniale an dem Boot ist vor allem der Rumpf. Er besteht aus vier Kunststoffplatten, die einfach zusammengetackert sind. Diese Nahtstelle ist mit Hilfe einer dazwischengelegten Dichtungsschicht völlig wasserdicht. Neben der Nahtstelle sind die Kunststoffplatten leicht eingefräst. Hier können sie einfach geknickt werden. Der Spezialkunststoff ist bei normalen Temperaturen elastisch genug und trotzdem so zäh, dass diese Stelle angeblich viele hunderttausend Mal hin- und hergeknickt werden kann, ohne undicht zu werden. Die Nahtstelle ist nach außen durch einen aufgeschlitzten Kunststoffschlauch geschützt.

Der Rumpf allein wiegt etwa 22 kg und hat zusammengeklappt etwa die Abmessungen eines Surfbrettes. Man kann ihn also ohne fremde Hilfe aus dem Keller holen und auf den Dachgepäckträger legen. Im Notfall kann man ihn auch mal ein paar hundert Meter weit tragen, wenn man mit dem Auto nicht direkt ans Wasser kommt. Das Auseinanderklappen braucht ein wenig Übung, denn die Konstruktion will gern zusammenklappen wie eine Riesenmuschel. Aber sobald man die drei Sitzbänke dazwischengeklemmt und mit je vier Edelstahlstiften gesichert hat, ist die Sache absolut stabil. Nun noch die beiden Ruderdollen in die dafür vorgesehenen Lager gesteckt, und schon kann man losrudern - nach knapp 5 Minuten Aufbauzeit.

So wird das Boot aufgeklappt

Bis man auch segeln kann, muss man noch einmal 10 Minuten investieren. Man schraubt den Mastfuß am Boden fest, befestigt den Großbaum am Mast, zieht das Fall durch die Öse am Mastkopf und steckt den Mast durch ein Loch in der vorderen Sitzbank in den Mastfuß. Dann schraubt man zwei Seitenschwerter an die Bordwände sowie die Ruderanlage an die hintere Sitzbank - fertig! Schon hat man ein richtiges Segelboot von etwa 3 Metern Länge und einer Segelfläche von etwa 4,7 Quadratmetern, mit dem man ganz normal wenden und halsen kann. Nur ein bisschen langsam ist es, weil die Form des Rumpfes nicht durch eine möglichst gute Stromlinienform vorgegeben ist, sondern durch die Fähigkeit, zusammenklappbar zu sein.

Der Bootskörper besteht wie gesagt aus elastischem Kunststoff, und das bringt gewisse Vor- und Nachteile mit sich. Der Boden ist halt nachgiebig, das ist anfangs etwas ungewohnt, wenn man in dem Boot hin und her geht. Der Hauptnachteil ist allerdings, dass das Boot sich stark verwinden kann. Der Mast sitzt vorn und dreht das Boot nach Lee, der Steuermann sitzt hinten und dreht das Boot nach Luv - diese Kräfte verdrehen das ganze Boot. Abhilfe schaffen hier zwei Wanten, die die Mastspitze mit den hinteren Belegklampen verbinden. Allerdings kann man immer nur die Luvwant anspannen; die Leewant muss man vor jeder Wende bzw. Halse losmachen, weil sie sonst das Segel behindern würde. Aber das klingt umständlicher, als es ist - alles Gewöhnungssache.

Der Vorteil des elastischen Bootskörpers ist seine Robustheit. Man kann ruhig mal mit voller Fahrt gegen eine harte Untiefe segeln, das macht überhaupt nichts. Der Kunststoff gibt einfach ein bisschen nach und nimmt dann wieder die ursprüngliche Form an, ohne einen Riss oder gar ein Loch zu bekommen. Schlimmstenfalls bleibt eine Schramme übrig. Und wo das Boot auf Grund läuft, ist das Wasser bereits so flach, dass man sowieso aussteigen kann, ohne dass das Wasser in die Gummistiefel läuft.

Das Boot trägt zwei Erwachsene und zwei Kinder. Je höher die Wellen sind und je stärker der Wind ist, desto weniger sollte man das Boot belasten. Die Frage ist, bis zu welcher Windstärke man mit dem Boot überhaupt segeln kann. Nach meiner Erfahrung ist dies aber nicht von der Windstärke, sondern mehr von der Wellenhöhe abhängig, denn das Boot ist durch seinen flachen Boden sehr kentersicher. Wenn die Wellen anfangen, Schaumkronen zu bilden, kann es auch vorkommen, dass eine Welle an der Bordwand hoch spritzt und vom Wind ins Boot geblasen wird. Da muss man dann halt sehen, was man sich zumuten und zutrauen will. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, kann auch die passenden Auftriebkörper für das Boot kaufen.


Nachtrag 1999: Nach meinen Abenteuern im Kolovesi-Nationalpark muss ich feststellen, dass es sehr schwierig ist, bei Windstärken über 5 bis 6 mit dem Banana-Boot zu segeln. Der Winddruck verbiegt die Aluminiumstangen, die das Segel halten, und wegen des geringen Gewichtes des Bootes hat man kaum genug Schwung, um eine Wende zu schaffen.



Wo ich schon gesegelt bin: (Location-Datei für Google Earth)

Aktuelle Position meines Bootes bei MarineTraffic

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Begegnungen:


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Nichts ist perfekt - deshalb: Banana-Boot Tuning!

Neugierig auf Fotos? Hier ist das Banana-Boot in Großaufnahme mit Kapitän und vollem Reisegepäck, und hier sieht man es bei einer Mittagpause an einer Insel im Linnansaari Nationalpark.

Am 24.6.1999 brachte N3 in der Sendung "DAS!" einen Beitrag über mein Boot.
Hier ist dieser Film (Dauer: 3,5 Minuten) in zwei Versionen:

Dateiformat Dateigröße Software zum Anschauen
MPEG-1 4.298.756 byte vmpeg17.exe
RealVideo 2.195.249 byte www.real.com

Offizielle Hersteller-Homepage Hier treffen sich Fans
     

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